Miteinander im Wasser

VDST lebt Inklusion und schafft eigene Module

Auch in der Tauchszene unverkennbar: Inklusion ist ein Thema, an dem heute niemand vorbei kommt. Viele Anbieter tummeln sich auf dem Markt mit ihren Angeboten zum Thema Inklusion und Tauchen mit behinderten Menschen.

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Vielfach werden Seminare für Ausbildern im Behindertenbereich offeriert oder Kurse, in denen Behinderten die Möglichkeit angeboten wird, das Tauchen zu erlernen. Die Preise differieren dabei erheblich, so dass man zweimal hinschauen sollte, was man für sein Geld bekommt. Unter dem Motto „Nichts über uns ohne uns“ erarbeiteten die Vereinten Nationen gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen die „Behindertenrechtskonvention“ von 2006. Deren Unterzeichner verpflichteten sich, in allen gesellschaftlichen Bereichen Bedingungen zu schaffen oder weiterzuentwickeln, die die Interessen und Bedürfnisse von DD_Dive_1-225x300Menschen mit Behinderungen berücksichtigen – auch im Sport. Deutschland zählt dazu.

Die Tauchbranche hat Inklusion ebenfalls zu einem Schwerpunkt gemacht. Inklusion ist allerdings mehr als nur behinderten Menschen das Tauchen anzubieten. Es bedeutet auch, Menschen mit und ohne Behinderung oder Menschen mit Migrationshintergrund im Verein als gleichwertige Mitglieder einzubinden, zu integrieren. Vereine, wie sie im VDST und auch im DOSB organisiert sind, bieten dazu gute Voraussetzungen. Hier können alle ihrer ganz persönlichen Freude am Tauchsport nachgehen.

Der VDST bietet seinen Vereinen, Ausbildern und Mitgliedern die nötige Unterstützung an, beispielsweise mit seinen Modulen eins und zwei die Grundlagen zur Ausbildung von behinderten Menschen im Tauchsport.

Modul 1
➪ Der Umgang mit Behinderten im Wasser
➪ Tauchausrüstung und theoretische Inhalte beim Tauchen mit behinderten Menschen
➪ Tauchbrevets für Menschen mit Behinderung. Schnuppertauchen, Basic und DD-Bronze
➪ Verschiedene Behinderungen und Tauchen

Modul 2
Hier überwiegt der Praxisteil. Der Schwerpunkt liegt nun auf dem Freigewässer. Wer kann im Freigewässer tauchen?
➪ Tauchuntersuchung und ärztliche Freigabe für das Tauchen im Freigewässer
➪ Sicherheitsmanagement

Was ist anders als im Freibad? Wie muss das Freigewässer aussehen?
➪ Der Zugang zum Wasser, Ein- und Ausstieg
➪ Umziehen und Vorbereitung
➪ Teilnehmer des Schnuppertauchens
➪ Tauchlehrer und behinderter Schnuppertaucher
➪ Der Tauchbegleiter
➪ Die Helfer am Ufer

Was muss vorbereitet sein?
➪ Notfallmanagement
➪ Tauchausbildung: Schnuppertauchen bis DD.Bronze
➪ Durchführung: Tauchausbildung DD.Bronze

An beiden Modulen nehmen Menschen mit Behinderung teil, so dass eine möglichst realitätsnahe Ausbildung erfolgen kann. Neben der Ausbildung spielt das Angebot der Vereine eine große Rolle. Auch das Umfeld im Verein sollte das Thema Inklusion einbeziehen. Dabei ist Inklusion ist kein Thema für eine kurz- oder mittelfristige Aktivität.

Grundsätzlich sollte ein Beschluss zum Thema Tauchen mit Behinderung im Verein gefasst werden. Tauchgewässer und Vereinsgebäude sollten für die Inklusion Behinderter barrierefrei gestaltet werden. Die Ausrüstung sollte der Behinderung angepasst sein.

DD_Dive_2-300x210Im Frühjahr 2014 hat der VDST eine Kooperation mit dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) geschlossen. Der DBS, ebenfalls Mitglied im DOSB, hat jahrzehntelange Erfahrungen im Bereich des Sports für behinderte Menschen. Der Verband Deutscher Sporttaucher ist die Fachorganisation für das Tauchen, der Deutsche Behindertensportverband die Fachorganisation für den Behindertensport. Beide Verbände werden sich in Zukunft in ihrer Arbeit ergänzen. Hierzu hat sich eine Arbeitsgruppe aus beiden Verbänden gebildet, die die Arbeit zum Thema Inklusion im VDST begleitet und dabei beratend wirkt.

Naui als Partner

International hat sich der VDST einen starken Partner ins Boot geholt. Die bestehende Kooperation mit Naui Europa wurde um die Zusammenarbeit zum Thema Inklusion
und Tauchen mit behinderten Menschen erweitert. Zum Thema Inklusion wird es erstmalig ein Symposium, organisiert durch Naui Europa, in den Niederlanden
geben. Am 25. Oktober wird in Nijverdal für alle Ausbilder und Taucher ein Treffen mit interessanten Beiträgen durch beide Verbände angeboten. Referenten aus den Niederlanden und Deutschland werden zu vielen aktuellen Themen referieren und Fragen beantworten. Die Ausschreibung wird in Kürze in den Medien des VDST veröffentlicht.

Das Tauchen mit Behinderung ist also nicht nur für einige wenige Interessierte relevant. Vielmehr zieht es sich durch alle Bevölkerungsschichten und entwickelt sich kontinuierlich weiter. Ziel ist, dass künftig alle Menschen mit Einschränkungen jedweder Art wie selbstverständlich am Vereinsleben teilnehmen und die Faszination Tauchen erleben können.

Jürgen Schönhoff